Woran merken Sie, dass Ihr Team gerade resilient ist? Nicht woran Sie merken, dass es Probleme gibt, sondern woran Sie merken, dass es gut läuft?
Diese Frage stelle ich zu Beginn meines Vortrags beim Deutschen Kitaleitungskongress 2026 und sie löst ein merkwürdiges Zögern aus. Denn wir sind es gewohnt, über Probleme zu sprechen. Über das Nichtfunktionierende, die Belastungen, das Fehlende. Der Blick auf das, was trägt und stärkt, fällt uns schwerer.
Dabei ist genau das der Kern von Resilienz: Es geht nicht darum, Herausforderungen zu vermeiden. Es geht darum, wie ein Team mit ihnen umgeht und was es stark macht, wenn es schwierig wird.
Was Teamresilienz eigentlich bedeutet
Resilienz wird häufig als individuelle Eigenschaft verstanden: die persönliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Stress und Veränderungen. Das stimmt, aber es greift zu kurz, wenn wir über Teams sprechen.
Team-Resilienz ist die kollektive Fähigkeit einer Gruppe, gemeinsam mit Herausforderungen umzugehen. Sie entsteht nicht einfach dadurch, dass viele resiliente Einzelpersonen zusammenarbeiten. Sie ist mehr als die Summe ihrer Teile. Ein Team ist dann resilient, wenn die Beziehungen tragen, wenn Kommunikation klar und wertschätzend funktioniert, wenn Fehler nicht versteckt sondern gemeinsam ausgewertet werden und wenn alle wissen, wofür sie eigentlich arbeiten.
Gerade in Kitas, die täglich mit Personalengpässen, hohen Anforderungen und emotionalen Belastungen umgehen, ist das keine selbstverständliche Leistung. Umso wichtiger ist die Frage: Was können Leitungskräfte konkret tun, um diese Resilienz zu stärken?
Drei Leitungsaufgaben, die den Unterschied machen
In meiner Arbeit mit Kita-Teams erlebe ich immer wieder, dass es drei Bereiche gibt, in denen Leitung den entscheidenden Einfluss auf Teamresilienz hat: die Gestaltung von Sinn, von Beziehung und von Strukturen.
Sinn gestalten
Teams, die wissen, wofür sie arbeiten, sind widerstandsfähiger. Das klingt einfach und ist doch im Alltag nicht selbstverständlich. Das Leitbild der Kita als gelebte Haltung statt als Dokument im Schrank. Gemeinsame Werte, die im Team bekannt sind und benannt werden. Erfolge, die sichtbar gemacht werden und nicht nur Probleme. All das stärkt das, was der Soziologe Aaron Antonovsky als Kohärenzgefühl bezeichnet: das Erleben, dass das eigene Tun verstehbar, handhabbar und sinnvoll ist.
Beziehung gestalten
Resilienz entsteht in Beziehung, nicht im Einzelkampf. Leitungskräfte, die ihre Mitarbeitenden wirklich sehen, die Raum schaffen für echte Begegnung und die beim Onboarding neuer Kolleginnen und Kollegen begleiten statt ins kalte Wasser werfen, investieren in das Fundament, das das Team trägt, wenn es schwierig wird. Wertschätzung ist dabei keine Frage von großen Gesten. Sie zeigt sich im persönlichen Interesse, in der Zeit, die man nimmt. In der Frage: Was haben Sie in den letzten zwei Wochen getan, das Ihrem Team gezeigt hat: Ich sehe euch?
Strukturen gestalten
Resiliente Teams brauchen klare Strukturen. Transparente Informationsweitergabe schafft Orientierung. Stärkenbasierte Rollenzuweisung schafft Zutrauen. Wer die Stärken seiner Teammitglieder kennt und sie entsprechend einsetzt, gibt ihnen das Gefühl: Ich gehöre dazu und ich bin wertvoll. Das ist kein Luxus, das ist Prävention.
Die Leitung als Vorbild, ob sie will oder nicht
Es gibt einen Aspekt, den Leitungskräfte häufig unterschätzen: ihre eigene Wirkung auf das Team. Emotionen sind ansteckend. Wer als Leitungskraft dauerhaft unter Strom steht, überträgt das auf sein Team, ohne ein Wort zu sagen. Stressregulation ist deshalb keine private Angelegenheit, sondern eine Führungsaufgabe.
Das bedeutet nicht, immer stark wirken zu müssen. Es bedeutet, die eigene Selbstwirksamkeit zu pflegen, eine Haltung der Fehlerfreundlichkeit zu entwickeln und bewusst zu reflektieren: Welche Stärke bringe ich in schwierige Zeiten mit? Und kennt mein Team diese Stärke?
Was Sie mitnehmen können
Teamresilienz ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhakt. Sie ist ein fortlaufender Prozess, der Aufmerksamkeit braucht und eine Leitung, die ihn bewusst gestaltet.
Wenn Sie nach dem Lesen dieses Artikels eine Sache mitnehmen: Stellen Sie Ihrem Team oder sich selbst die Eingangsfrage neu. Woran merken Sie, dass Ihr Team gerade gut läuft? Nicht die Probleme, nicht die Lücken. Was trägt?
Wenn Sie diese Frage gemeinsam im Team diskutieren, haben Sie bereits einen resilienzfördernden Moment geschaffen.
© Philine Bach https://philinebach.de
Kurzportrait
Daniela Kock ist Erziehungswissenschaftlerin, Fortbildungsdozentin, Resilienztrainerin und Autorin. Sie begleitet Kita-, GBS- und Sozialarbeitsteams mit Inhouse-Workshops, Coachings und Seminaren zu Resilienz, Kommunikation, Partizipation und Teamentwicklung. Sie schreibt Fachartikel und ist Moderatorin für den „WEITER WACHSEN als Kita-Fachkraft“-Podcast.