Gesundheitsmanagement in Kitas

Mirjam Prüver 

 

Settingorientierte Gesundheitsförderung pädagogischer Fachkräfte 

…nimmt die arbeitsbedingte, gesundheitliche Situation der pädagogischen Fachkräfte, deren Arbeitsalltag durch eine Vielzahl von Belastungsfaktoren, aber auch durch besondere Gesundheitspotenziale geprägt ist, in den Blick. Viele Aspekte des Gesundheitsmanagements sind strukturell und organisatorisch mit der Arbeitsorganisation und den Räumlichkeiten in den Kitas verbunden. 

Neben den körperlichen Belastungen – durch Lärm und ungünstige Körperhaltungen, häufigem Bücken und schwerem Heben, einem erhöhten Krankheitsrisiko durch verschiedene Viren und Bakterien der Kinder – kommen allerdings zunehmend psychische Belastungen der Fachkräfte im pädagogischen Alltag zu tragen. 

Psychische Belastungen nehmen zu 

…denn die Ansprüche der Eltern steigen, die Kinder bringen neue und veränderte Herausforderungen mit sich, während der immer noch vielerorts herrschende Fachkräftemangel die Kolleg*innen täglich vor neue, unterschiedlichste Herausforderung stellt. 

Was folgt, ist eine Spirale bestehend aus Kindern mit besonderen Bedürfnissen, Eltern mit besonderen Anforderungen und pädagogischen Fachkräften mit besonderen Belastungen, die sich vielerorts immer um sich selbst dreht und zu mitunter hohen und langen Ausfällen der Beschäftigten führt. 

Ein weiterer Aspekt sind zunehmend Konflikte innerhalb bestehender Teams und das Aufeinandertreffen der Generation Z auf die Boomer-Generation. Auch wenn gerade multiprofessionelle Teams eine große Bereicherung sind, können unterschiedliche Sichtweisen, andere (pädagogische) Herangehensweisen und eine veränderte Einstellung, wie beispielsweise einer guten Work-Life-Balance, bei fehlendem Verständnis füreinander und mangelnder Führung Konfliktpotential innerhalb eines Teams bergen. 

Von der großen Stellschraube bis zur kleinen Situationsänderung – Mut zu Veränderungen sind gut und wichtig 

…um den Beruf möglichst lange und vor allem gesund ausüben zu können. Deshalb gilt es, mit den Situationen vor Ort individuell und mitunter spontan und flexibel umzugehen, aber auch nachhaltige praxisnahe Veränderungen zur Erhaltung der Gesundheit und zur allgemeinen Erleichterung des pädagogischen Arbeitsalltags zu finden, die für alle am Prozess Beteiligten von Nutzen sind. 

Oft sind es schon die vermeintlich kleinen Dinge, die eine große Entlastung bringen können: sei es die einfach machbare Situation im Tagesablauf, wie zum Beispiel das Verändern von festgelegten Uhrzeiten und/oder Handlungen, oder auch das ressourcenorientierte Einsetzen von Fähigkeiten der einzelnen Mitarbeiter*innen bis hin zum empathischen Zuhören und einer neu durchdachten transparenten Zusammenarbeit mit Eltern. 

Aber auch der Mut zur großen Veränderung kann Situationen so umgestalten, dass sich große Belastungen verringern oder lässt diese im besten Fall ganz wegfallen.

Gesundheitsmanagement ist eine der wesentlichsten Führungsaufgaben 

…und muss damit vor allem auch immer mehr in den Fokus von Führungskräften rücken. 

Hierbei geht es vor allem um die Fragestellungen: 
Welche alten Strukturen müssen neu überdacht, welche Regeln und Maßnahmen abgeschafft oder verändert und welche neuen Wege gegangen werden, damit gesunde Fachkräfte Kinder nicht nur adäquat betreuen können, sondern auch ihrem Bildungsauftrag – trotz andauerndem Personalmangel und herausfordernden Situationen – nachkommen können? Und wie können Führungskräfte (Träger und Leitungskräfte) mit veränderten (Lebens- und Arbeits-) Einstellungen ihrer Mitarbeiter*innen adäquat umgehen? 

Es geht um die Frage, welche Haltung bringe ich als Führungskraft/Träger gegenüber den Kindern, den Mitarbeiter*innen und den Eltern entgegen und was kann ich als Leitung der Einrichtung für meine Gesunderhaltung tun. Und hierfür haben wir in der Einstellung und Haltung zum Beruf bei den meisten pädagogischen Fachkräfte grundsätzlich eine sehr gute Voraussetzung. 

In Studien nennen Erzieher*innen als Ressourcen eine hohe Identifikation mit ihrer Tätigkeit, ein hohes Potenzial für Kreativität im Arbeitsprozess und für selbstständige Planung, hohe Kollegialität und gute Möglichkeiten zur beruflichen Weiterqualifizierung (vgl. Alice-Salomon-Hochschule Berlin & Unfallkasse Nordrhein-Westfalen 2013 und Viernickel, Voss & Mauz 2017; Voss & Schumann 2020). 

Gesundheitsmanagement ist auch eine Teamaufgabe 

…denn nicht nur das Individuum muss allein tätig werden, sondern das System muss sich verändern. Hierbei geht es um das Schaffen einer gemeinsamen Vision und darum, Methoden und Möglichkeiten zu finden, eine gute Teamresilienz zu erreichen. 

Dies bedeutet:  
Im besten Fall stellt sich am Ende nicht die Frage, ob man vermeintlich schwierige Situationen bewältigen kann sondern wie. 

Vorschläge zur Verbesserung werden mittels partizipativer Methoden gemeinsam mit den Beschäftigten entwickelt und mit ihrer Beteiligung umgesetzt.

Gesundheitsmanagement in Hinblick in den pädagogischen Alltag zu implementieren bedeutet für Führungskräfte keine einmalige Sache 

…sie ist vielmehr ein fortlaufender, immer wieder zu hinterfragender und verändernder Prozess, der die Gesundheit der Kolleg*innen, aber auch die eigene und die damit zwingend einhergehende Selbstreflektion der Führungskräfte in den Fokus nimmt. 

Gesundheitsförderung in Kitas sollte nicht als kurzfristiges, isoliertes Projekt oder als zusätzliches Angebot gedacht, sondern als Teil einer prozessualen Organisationsentwicklung verstanden werden. (DJI & WiFF 2020) 

Dafür benötigen pädagogische Fachkräfte und deren Führungskräfte nicht nur nicht nur ausreichend Ressourcen (Geld, Zeit, Qualifizierung), sondern entsprechende Denk- und Freiräume sowie Handlungsmöglichkeiten. 

Über die Autorin 

Die Erzieherin, Kindheitspädagogin (BA) und Soz.-Bildungswissenschaftlerin (MA) verbindet in ihren Publikationen und als Speakerin Praxis mit Wissenschaft. Mit 25jähriger Erfahrung als Einrichtungs und Stadtquartiersleitung städt. Kitas in München weiß sie, was Leitungskräfte von Kitas bewegt und untermauert fundierte Theorien mit lebhaften Beispielen aus der Praxis.